Nur mal angenommen, es würde beim Supermoto zugehen wie beim Pferderennen. Da hätte sich doch Hinz und Kunz angestellt um seinen Zaster auf einen ganz speziellen Gaul zu setzten: "Einmal alles auf Mauno, den blondmähnigen Kaltblüter aus dem Zupin Stall. Bitte!" Die Quote für eine solche Wette wäre ganz schön schwach ausgefallen, davon kann man ausgehen. Doch allen vermeidlich ängstlichen Setzern wäre spätestens beim Start zum zweiten S1 Lauf das Blut in den Adern gefroren. Doch dazu später mehr.
Bleiben wir noch kurz bei dieser Illusion man könne Wetten abschließen. Auf welches Pferdchen hätten waghalsigere Spieler gesetzt? Vielleicht eine Platzierungswette auf Künzel oder Vorlicek? Beide sind mit allem bewaffnet, was man für einen zweiten Platz in der Tageswertung braucht. Also warum nicht? Am Ende des Tages hätte man bei diesen Spielern aber lange Gesichter sehen können. Egal wen der beiden man nun riskanter Weise auf Platz zwei gewünscht hätte. Ohne Gewinn und mit tief in Hosentaschen vergrabenen Händen wäre man vom Platz gewackelt. Seinen Frust hätte man unterwegs ganz trotzig an kleinen Steinchen ausgelassen können, die man vor sich her kickt.
Doch genug von diesem "Hätte-Wäre-Wenn-Szenario" und rein in die Realität.
Einige Piloten machten sich wirklich Hoffnung nun endlich gegen Hermunen anstinken zu können. Der zeigte sich nämlich etwas weniger dominant als im Vorjahr und spielte zudem noch ein wenig Reifenpoker. Der Finne konnte zwar vorlegen, aber nicht so arg. Nachdem ihm der Neuling Pavel Kejmar, ein Tscheche, der an seiner uralten DSR-Kombi zu erkennen ist, zu sehr auf die Pelle rückte, blies Hermunen allerdings zur Attacke, gönnte sich einen frischen Satz Räder und preschte nach vorne. Hinter Kejmar machte sich Vorlicek breit und Volz war mit der Bauerschmidt KTM fünf Hundertstel schneller als Künzel, was ihm Startplatz vier bescherte.
Es lag eine unbeschreibliche Spannung in der Luft, die nach Ende der Startaufstellung und Warm-Up Lap bis ins unermessliche stieg. Als endlich die Ampel aus ging reagierte Volz verdammt schnell und lag mit Hermunen auf einer Höhe. Volz war aber innen, was ihm die engere Kurve möglich machte und er die Gegengerade vorm Finnen hinter sich ließ. Künzel, der aus Reihe zwei versucht hatte außen an Hermunen vorbei zu kommen, wurde weit rausgetragen, fühlte sich von Kejmar bedrängt und ging in der ersten Kurve zu Boden. Ein folgenschwerer Sturz für den sechsfachen Deutschen Supermoto Meister, da er einige Zeit brauchte sich unter der Aprilia heraus zu fummeln und danach erst ein Weilchen kicken musste, ehe die Italienerin ansprang. Mit etwa 30 Sekunden Rückstand nahm er dann die Verfolgung auf. Derweil pflügte die Spitze schon in den Offroad, und Volz hielt sich noch immer vor Hermunen. Dahinter hatte Vorlicek Stellung bezogen, gefolgt von Kejmar, dem Österreicher Hannes Maier und Markus Class.
Class wurde im Vorfeld auch als heißer Kandidat gehandelt, hatte er doch im vergangenen Jahr so richtig vorne reinhalten können, doch dem Suzuki Piloten erging es trotz exzellenter Resultate in den freien Trainings nicht besonders gut. Er ging von Rang sieben in die Rennen, wurde aber in beiden von seinem ganz persönlichen "Sturzengel" begleitet. In Runde zwei war Class schon an Maier vorbei, geriet dann im Offroad aber ins Trudeln und wurde von Rudi Bauer passiert. Nur eine Runde später hatte der Wormser seinen Fehler aber schon ausgemerzt und lag wieder auf Position fünf. Um an Volz und Kejmar anzuschließen riskierte Class allerdings zu viel und baute erneut einen Fehler ein, der ihn nun auf Rang neun zurück warf. Rudi Bauer hatte indes schon den nächsten Kandidaten hinter sich. Marcel Götz hatte sich den Gast aus Österreich schnell zurecht gelegt und fuhr von Runde sechs bis zum Schluss auf der fünften Position.
In der Zwischenzeit hatte sich aber auch an der Spitze einiges getan. Hermunen hatte nach der ersten Runde genug orange gesehen und bremste sich innen an Volz vorbei, der von da an heftigen Druck von Vorlicek auszuhalten hatte. Aber nur zwei Runden lang, denn dann bahnte sich Petr seinen Weg vorbei und versuchte vergebens seinen Kumpel Mauno einzufangen. Jetzt wurde Volz von Pavel Kejmar ins Visier genommen. Eine Situation, mit der sich der Saarländer nicht anfreunden wollte. Den Abstand, den Vorlicek sich gegen Mitte des Rennens herausfahren konnte, machte Volz dann nach und nach wieder wett. Kejmar konnte diesen Schritt nicht mitgehen verharrte auf Rang vier. Volz war zum Ende des Rennens wieder an Vorlicek dran, attackierte auch, fand aber kein passendes Mittel um Vorlicek den zweiten Rang abzuluchsen.
Der gestrandete Künzel belegte zum Ende des Rennens Platz 14.
Der Finne eröffnete den zweiten Lauf ein wenig übermotiviert. Er wollte sich offenbar nicht noch einmal von Volz die Show stehlen lassen, überbremste im ersten Eck aber das Vorderrad und nahm eine Bodenprobe. Das Ergebnis war nicht ganz so krass wie zuvor bei Künzel, da die Husqvarna an blieb und der Jüngling sich wie eine Gazelle wieder auf sie drauf schwingen konnte. Somit peilte er schon am Ende der Gegengeraden seine ersten Opfer an.
Volz, Künzel, Kejmar und Vorlicek, gefolgt von Class, Bauer, Trávnicek und Maier – so ging es im zweiten Rennen erstmals in den Offroad. Doch diese erste Durchfahrt hatte es in sich! Pavel Kejmar und Petr Vorlicek waren sich an der Schanze des großen Table uneinig, gingen zu Boden und ließen einen Großteil des Feldes auf sich auflaufen. Mindestens sechs Motorräder mitsamt Piloten lagen in der Anfahrt zum Table verteilt, wodurch der Rest des Feldes zäh daran vorbei manövrieren musste. Gott sei Dank hatte sich niemand ernsthaft verletzt, doch für Vorlicek und Class ging es aufgrund technischer Probleme nicht weiter. Neu sortiert standen als Verfolger von Volz und Künzel nun Rudolf Bauer, Marcel Götz und Lukas Höllbacher parat.
Für Hermunen brachte der Crash am Table zwei entscheidende Vorteile mit sich. Zum einen machte er direkt viele Plätze gut, weswegen er sich schon in Runde eins wieder mitten im Feld bewegte, und zum anderen wurde die Spitze auf Anhieb gestreckt. Dadurch waren die ersten Gegner des Finnen vereinzelt auftauchende Hindernisse, die schnell umschifft waren. So zauderte er in der Regel nicht lange. In der zweiten Runde sah er den Schweden Ken Svanberg eine aus seiner Sicht unmögliche Linie fahren und beschloss kurzerhand eine Lektion zu erteilen. Svanberg nutzte die Fahrbahn nicht komplett aus und ließ innen an den Curbs so viel Platz, dass Hermunen dazwischen stach um binnen Millisekunden vorm Schweden zu sein. Dieser hatte eine solche Attacke beim besten Willen nicht erwartet, erschrak vor der plötzlich auftauchenden Husqvarna neben sich und viel zuerst vom Glauben und dann vom Motorrad.
In der dritten Runde lag Hermunen schon auf Rang sechs, während Künzel vorne an Volz rumdokterte, aber kein passendes Mittel fand. In dieser dritten Runde bahnte sich Hermunen seinen Weg durch die Alpenländer, in dem er zuerst die Österreicher Lukas Höllbacher und Rudolf Bauer aufschnupfte und danach Marcel Götz niederkämpfte. Nun lagen nur noch Volz und Künzel vor ihm. Weitere sechs Runden später war er an Künzel dran. Hermunen schaute sich den Kampf im Platz eins ein Momentchen lang an, entschied sich dann ein Wörtchen mit zu reden und machte Künzel in der elften Runde zum Dritten. In Runde zwölf kam es dann wie erwartet, dass er auch noch an Volz vorbei ging und dem zweiten Saisonsieg entgegen fuhr.
Hermunen ist auch nach der Winterpause und auf neuem Motorrad in einer anderen Welt unterwegs. Aber ganz klar, der Finne ist Profi, verdient im Gegensatz zu allen anderen seinen Lebensunterhalt mit dem Motorradfahren, und ist zweifelsohne ein Ausnahmetalent.
Volz ist mit seiner 2011er Bauerschmidt KTM, welche auf Basis einer SX-F entstanden ist, ein heißer Kandidat auf den Vizetitel. Volz bewies ein hohes Maß an Konstanz und Kampfeslust und bekundet absolute Zufriedenheit mit Team, Motorrad und Rennergebnis.
Künzel ist dabei, muss sich aber gerade vor Volz in Acht nehmen. Das ganz frische Motorrad war zum Zeitpunkt der Rennen von Stendal noch nicht fertig, weswegen Arbeit der Zwischenzeit noch nicht umgesetzt werden konnte. Mit ein wenig mehr Punch hätte Künzel der KTM von Volz vielleicht Paroli bieten können. Gemessen daran wie gut JK's Aprilia aus 2010 schon ging stellt sich nun die Frage, was die Bauerschmidt SX-F für eine Waffe sein muss.
Vorlicek war in Stendal der Zweitschnellste! Zwar nicht im Ergebnis, aber im Rennfluss. Er konnte im ersten Lauf echt ein Stück weit mit Hermunen mithalten und zeigte sich insgesamt als extrem schlagfertig. Wahrscheinlich trainiert der Tscheche neuerlich noch mehr, jetzt wo Hermunen sein zentral-europäisches Lager in unmittelbarer Nachbarschaft aufgeschlagen hat.
Pavel Kejmar, der Bursche in der ausgemusterten Vorlicek Kombi, der mit Pudelmütze und schläfrigem Blick durchs Fahrerlager wankt. Er bot als Neuling eine abgefahrene Vorstellung. Mit Supermoto beschäftigt sich der Tscheche noch gar nicht so lange. Ursprünglich war er im Motocross und Supercross unterwegs. Wir werden sehen in wie fern er seine hohe Performance aus Stendal weiter ausbauen kann.
Von den aufgestiegenen Piloten aus der C-Klasse bewies Steffen Schmid mit einem 8. und einem 10. Platz das beste Neulings-Potential in Stendal. Im zweiten Rennen war Schmid einer der Crash-Involvierten, was seine zehnte Position sogar noch ein wenig aufwertet. Den jungen Herren wird man sicher als Dauergast in den Top-Ten der 2011er Saison finden.
Beobachter der Szene waren ganz besonders auf das Kräftemessen zwischen Michi Herrmann und seinem Dauerkonkurrenten Jochen Jasinski gespannt, der in diesem Jahr in der S2 nicht mit seinem gewohnten Dickschiff an den Start geht, sondern mit einer 380er Husaberg – einem Zweitakter. Ebenfalls mit Interesse wurde erwartet, wie sich die Auf- und Wiedereinsteiger der Saison in den S-Klassen schlagen würden. In der S2 trifft dies auf Kevin Würterle und Danniel Fuhrbach zu. Würterle war als Sieger des C1 Pokal 2010 dazu verpflichtet sich einer der S-Klassen zu widmen und entschied sich kurzerhand für die S2. Danni Fuhrbach hatte ein Jahr Pause eingelegt und steht 2011 für Taunus Moto wieder in der S2-Liste.
So sehr es Jasinski auch versuchte, an die Zeit von Herrmann kam er einfach nicht ran. Fast eine Sekunde fehlte dem Nostalgiker auf den Führenden. Da traf es Nico Joannidis besser. Der kleine Grieche belegte die zweite Startposition mit fast genau einer halben Sekunde Polster nach vorne wie nach hinten. Im Überblick war die erste Startreihe der S2 recht weit gestreckt, denn Dirk Spaniols schnellste Runde war ganze 1,655 Sekunden langsamer als die von Herrmann.
In der zweiten Startreihe legte Kevin Würterle vor, gefolgt von Jan Deitenbach, vor Danni Fuhrbach und Toni Krettek.
Jochen Jasinski gewann im ersten Lauf zwar den Start, musste Michi Herrmann aber schon in der langen Rechts an sich vorbeiziehen lassen. Dirk Spaniol konnte die dritte Position eine Zeitlang für sich behaupten, musste dann dem vehementen Drängen von Nico Joannidis nachgeben, der seinerseits aber das Tempo der vorderen beiden nicht ganz mithalten konnte. Routinier JJ kämpfte verbissen, musste jedoch schließlich einsehen, dass er die von Michi Herrmann souverän behauptete Spitzenposition nicht würde angreifen können. Die Reihenfolge der Fahrer blieb über den Verlauf des Rennens stabil, hinter Nico etablierte sich Dirk, der einen komfortablen Abstand zum fünftplatzierten Neueinsteiger in der S2 Kevin Würterle einfuhr.
Drei Runden vor Ende des Rennens bremste Michi Herrmann sich dann selber aus. "Ich hatte einen bequemen Vorsprung, daher bin ich es etwas ruhiger angegangen und habe, insbesondere im Off-Road, Gas raus genommen. Ein sinnloser Fehler, wie sich rausstellte. In der letzten Kurve gab ich dann zu wenig Gas, weshalb die Maschine regelrecht AUSGEPLOPPT ist. Dabei verblieb der Kolben in einer Stellung, die mich nicht direkt wieder starten ließ."
Dieses Missgeschick nutzend, zogen drei seiner Verfolger an ihm vorbei. Hinter Jasinski, Joannidis und Spaniol kam Michi erst wieder in die Gänge und versuchte dennoch energisch, sich erneut auf einen der vorderen Plätze vorzukämpfen. Nur knapp hinter Dirk Spaniol und trotz eines letzten vergeblich Angriffs kurz vor Ziel, ging er als Vierter über die Linie. Somit war der Sieg von Jochen Jasinski auf seinem Zweitakter im ersten Rennen der Saison perfekt.
Im zweiten Rennen nahm sich Michi die Butter allerdings nicht noch einmal vom Brot und verteidigte seine Spitzenposition erfolgreich, diesmal gegen den energisch drängelnden Nico Joannidis. Der folgte Herrmann von der ersten Runde an auf Platz zwei, konnte dem amtierenden Meister auch lange Zeit einheizen, musste aber gegen Mitte des Rennens abreißen lassen. Jasinski musste für seinen dritten Platz erst noch an Jan Deitenbach vorbei, erledigte dies auch prompt in der dritten Runde und segelte so seinem zweiten Podium entgegen. Deitenbach konnte sich derweil aber nicht ausruhen, denn Kevin Würterle stand an. Der Aufsteiger machte seinem Drang nach vorne in der sechsten Runde Luft und zog direkt Dirk Spaniol mit sich. Der DSR-Teamchef hatte einen denkbar schlechten Start erwischt und lauerte schon eine ganze Weile hinter Würterle. Nun war Würterle Vierter, Spaniol lag auf fünf, was ihm aber offensichtlich noch nicht ausreichte. Eine Runde nachdem Deitenbach auf Rang sechs verbannt war, schnappte er sich auch noch Würterle und wurde somit Vierter. In dem Zusammenhang sei erwähnt, dass Spaniol mit seinen 42 Lenzen mehr Jahre auf dem Buckel hat, als seine beiden Opfer zusammen (Jan ist 23 und Kevin 17 Jahre alt). Was die beiden Jungspunde zu ihrer Verteidigung vorzubringen hatten erläutern wir später.
Auch wenn Jochen Jasinski sagte, er habe keine richtige Referenz, wie er leistungsmäßig wirklich mit seinem Zweitakter einzuordnen ist, so lässt seine Einstellung hoffen. Getreu seinem Motto "Stillstand ist Rückschritt", oder "Ich bin NIE zufrieden!" wird er wohl an der Optimierung seines Zweitakters weiter feilen und die Saison sicherlich spannend halten. Erst Recht auf Strecken, die einer Zweitaktcharakteristik mehr entgegenkommen, als die in Stendal.
Jan Deitenbach hatte einen nachvollziehbar schmerzhaften Strohballen-Rempler aus dem Zeittraining zu verschmerzen: "Beim zweiten Rennen haben sich die Schmerzen derart verstärkt, dass ich den Fuß nicht mehr aufsetzen konnte." Die ärztliche Diagnose seiner Begegnung mit dem störrigen Agrarprodukt ergab: Wadenbeinkopf gebrochen und ein angerissener Außenminiskus. Aber auch Würterle hatte sein Säckchen zu schleppen. Er wunderte sich während des kompletten Wochenendes über Schmerzen im Brustkorb, begleitet von massiven Atemproblemen. Bei ihm ergab die anschließende Diagnose eine Rippenfellentzündung. – Diese beiden werden sich in den kommenden Rennen sicher noch öfters beschnuppern. Beim kommenden Event in Lichtenberg steht die Vorzeichen gut für Deitenbach. Er ist ein ausgesprochener Kartbahn-Liebhaber.
Lukas Höllbacher brachte seine 450er mit nach Stendal um in der S1 antreten zu dürfen. Lizenzbestimmungen machten eine Einschreibung in der S1 aber unmöglich, weswegen eine Notlösung her musste. ‚Da nehme ich eine Portion C1, mit extra Schwung, aber ohne Umwege. Als Nachtisch hätt ich dann gern den Gaststart in der S1 – Bitte!' So dachte der junge Österreicher und zog ein ins Fahrerlager.
Schon hier machte Höllbacher keine Gefangenen. Mit Volldampf riss er die Pole Position an sich und brannte seinem Landsmann Manuel Hagleitner fast 3 Sekunden auf. Die dritte Startposition holte sich Alexander Büttner, gefolgt von Renn-Amazone Janina Würterle.
Die erste Runde konnte die 450er-Queen das Zepter halten, bis Ritter-Höllbacher sich wenig charmant vorbei drängte und der abendlichen Sonne entgegen ritt. Dass ihn jemand einholen könnte, daran war überhaupt nicht zu denken.
Lord Hagleitner, auch bekannt als der Beringte Rüpel, mühte sich danach lange sieben Runden lang, um Janina endlich am Zopf zu packen und ein wenig Boden gut zu machen. Die Queen kochte jetzt schon vor Wut, doch es sollte noch dicker kommen. Knappe Büttner hatte sich den Zopf-Zieh-Trick des beringten Rüpel abgeschaut und äffte Hagleitner kurze Zeit später nach. So blieb der Queen ihr heiß ersehnter Platz auf dem Treppchen verwehrt, worüber sie zornig bis traurig war. Eines sei ihr zum Trost allerdings verraten: Sie schaut so hübsch aus, wenn sie wütend ist!
Graf von und zu Nölte-Waberzeck ließ es trotz mächtigem Gedrängel des Schneider Löbe etwas ruhiger angehen und kam 24 Sekunden hinter der Queen als Fünfter ins Ziel.
Keine Angst, der Anfall ist vorbei und es geht normal weiter. Im zweiten Rennen machte Höllbacher nicht lange rum. Er führte das Rennen von der ersten Runde an und sicherte sich bis ins Ziel einen Vorsprung von über 17 Sekunden auf Alex Büttner. Der biss sich die ersten vier Runden auch an Hagleitner die Zähne stumpf und konnte danach auch nicht wirklich Boden gut machen. Janina war nach dem aufregenden Rennen am Vorabend ein wenig gelassener unterwegs und fuhr kontinuierlich ihre vierte Position nach Hause. Vier Sekunden hinter ihr belegte Tommy Brandt den fünften Platz. Ein Rennen ohne spektakuläre Zwischenfälle.
Das Phänomen C2-Pokal ist außerordentlich. Während man in der S2 ein wenig unter Fahrermangel leidet, spiegelt das Pokal-Pendant das genaue Gegenteil wider. Mit 27 Teilnehmern ein nahezu volles Feld und jede Menge Haudegen, von denen keiner zugeben würde dem anderen nicht den Sieg zu gönnen, es aber in Wirklichkeit überhaupt nicht so meint. Hier wird gefightet bis die Schwarte kracht!
Ein menschlicher Wimpernschlag dauert 100 Millisekunden, oder anders ausgedrückt 0,100 Sekunden. Der Abstand, mit dem Toni Trusch sich die Pole vor Eric Müller sicherte, passt ziemlich genau vier mal in einen solchen Wimpernschlag. Markus Rutz belegte mit einer halben Sekunde Abstand den dritten Startplatz vor Ralf Ebert.
Weshalb so eine herbe Überschrift? Nun ja, der dritte Startplatz blieb in der Startaufstellung frei. Rutzls funkelnagelneue Husaberg sprang im Vorstart nicht an, auch jeglicher Überbrückungsversuch an nahegelegenen Wohnmobilen ließ der Berg keinen positiven Ton entlocken. Wenn man dann die versehentlich weiter aufgezeichnete Datei der Onboard Kamera anschaut und vor allem zuhört, dann kommt man zu solchen Überschriften. Anfragen auf Herausgabe des Videomaterials sind zwecklos, da der Protagonist seinerseits zu viele solcher Peinlichkeiten vom Autor dieser Zeilen in der Hinterhand hat.
Doch zum Rennen: Rutz fehlte diesem Lauf wahrlich nicht um spannend zu sein. Eric Müller schnappte sich direkt die Führung, Trusch kam dahinter und Kevin Dietze, der das Zeittraining nur auf Platz acht abgeschlossen hatte, klebte Trusch im Nacken. Nach der ersten Runde schnupperte Dietze kurz die unvertruschte Abgasluft von Eric Müller, doch der Badener konterte in der folgenden Runde um selbst wieder an Müller heran zu kommen. Danach geschah faktisch nichts mehr, aber es blieb trotzdem spannend. Müller konnte sich zwar ein wenig absetzen, doch Dietze ließ von Trusch nicht ab und die beiden zogen sich wie auf Abstand genagelt durch die verbleibenden acht Rennrunden.
Im Kampf um Platz vier lagen Daniel Dechent und Eike Moes im Clinch. Ralf Ebert drängelte seinerseits zwar an Moes um auch noch ein Wörtchen mitzureden, durfte aber nicht. Dechent hielt den vierten Platz bis ins Ziel.
Vor Beginn des Rennens wieder eine kurze Anekdote aus der Redaktion. Wenige Minuten vor dem Aufruf in den Vorstart war die Ursache der Startschwäche von Rutzls 570er gefunden. Ein gemeiner Kabelbruch war Schuld. Da das Geschoss nun angesprungen war, wollte man natürlich tunlichst vermeiden, dass das Dingen später die Gelegenheit bekommt wieder mal NICHT anzuspringen. Was tut man da am besten? Logisch, man lässt den Bock an. Während der gesamten Vorstartphase stand Rutzl mit laufendem Motor bereit. Jeder der darüber nachdenkt kann sich vorstellen, wie heiß der Ofen in der Zeit wurde. Als es dann endlich in die Startaufstellung ging, machten die Kühlerschläche der Husaberg schon mächtig dicke Backen und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich der Druck in irgendeiner Form Platz verschaffen würde. Passend in dem Moment, da der Fähnrich rechts an Rutzl vorbei ging und es in die Aufwärmrunde ging, entlud sich der rechte Kühler über das Überdruckventil des Deckels und der arme Herr wusste gar nicht so recht wo dieser warme Regen nun wohl her kam.
Auf zum Rennen: Dieses Mal erwischte Trusch den besseren Start und Müller stand als Zweiter an. Schon im Offroad schaute der Honda-Pilot nach einer Lösung schnellstmöglich an Trusch vorbei zu kommen, doch es gelang ihm nicht. Also probierte er es nach dem Offroad innen in der ersten, wahrlich rutschigen Betonkurve. Der Versuch gelang, zwar irgendwie, aber nicht so wie Müller sich das ausgedacht hatte. Überhöhter Schwung trieb Müller nach außen, woraufhin Trusch Platz machen musste – ein zärtlicher Block eben – dadurch wurde ganz innen viel Platz frei und Markus Rutz konnte in aller Ruhe an die Spitze fahren. Dort angekommen machte er sich in gewohnter Stendal Manier auf den Geraden klein und in den Ecken breit. So einfach geht das! Müller und Trusch bissen sich die Zähne aus, kamen aber nicht vorbei. Weder an einander, noch an Rutzl. Erster MotoMonster-Sieg der Saison (sachlicher Anmerkung der Redaktion: Juhuuuu!).
Kevin Dietze lag bis eine Runde vor Schluss auf Rang vier, baute dann aber einen Fehler ein und wurde Sechster. Den vierten Platz übernahm der Däne Palle Therkelsen vor Michael Sommer.
Zur S3 Klasse, so wie sie beim Auftakt in Stendal anzutreffen war, gäbe es einiges zu erzählen. Doch das sparen wir und einfach mal für den Schluss auf, um die sportliche Seite der Medaille nicht schon im Vorfeld ins Abseits zu schieben. Wer nun schlau sein möchte und geneigt ist mal eben zum Ende dieses Textes zu hüpfen, dem sei versichert: Lese jetzt einfach weiter, so lang wird der sportliche Teil dieses Mal eh nicht.
Lukas Höllbacher, der amtierende Europameister aus Österreich, schnappte sich die Pole vor dem amtierenden S3-Meister Milan Sitniansky. Josef Stehrer und Maxi Niewiadomski komplettierten die erste Startreihe. Die ersten vier lagen innerhalb von sieben Hundertstel einer Sekunde. Dieser Wert ist um so aufschlussreicher, wenn man beachtet, dass Nico Günther als Fünfter über vier Sekunden langsamer war als Maxi auf Rang vier.
Niewiadomski machte den Holeshot, konnte sich aber nur zwei Runden lang gegen Höllbacher zur Wehr setzen, ehe dieser Ende Start-Ziel am RE-Racing Piloten vorbei zog. Nun klebte Stehrer im Heck des kleinen Münchner und machte es Höllbacher in der sechsten Runde im Offroad nach. Jetzt rissen Höllbacher und Stehrer aus. Die beiden Österreicher kämpften wie die Wahnsinnigen und ließen weder Maxi noch Milan eine Chance dran zu bleiben.
Nach einem Sturz verlor Maxi auch noch den dritten Platz an Sitniansky und wurde Vierter. Nico Günther belegte mit einem Rückstand von 1 Minute und 30 Sekunden den fünften Platz.
Im zweiten Rennen hatte Milan Sitniansky die Nase vorne – zumindest zu Beginn des Rennens. Nach fünf Runden schnallten die beiden Ösies hinter ihm aber die Gamaschen enger und attackierten. Höllbacher nahm sich Milan Ende Start-Ziel zur Brust und Steher bezwang ihn im Offroad. Davon überwältigt ging Milan auch gleich zu Boden und reihte sich hinter Niewiadomski als Vierter ein. Doch eine Runde später stürzte auch Stehrer und Maxi war plötzlich Zweiter. Während Lukas Höllbacher vorne das Weite suchte und einem weiteren Sieg entgegen fuhr, machte sich Stehrer nun daran seine zweite Position wieder zu erlangen. Zwei Runden vor Schluss stürzte dann auch noch Maxi Niewiadomski und Stehrer war wieder zurück auf Rang zwei. Florian Metzenrath wurde in diesem Rennen Fünfter.
Auf eine Veranstaltung betrachtet muss man sich echt fragen, was soll diese Nachwuchsklasse eigentlich noch? Ist man vor wenigen Jahren noch mit satten Starterfeldern unterwegs gewesen, so plagten sich in Stendal insgesamt zehn Gestalten in der S3 Klasse, der Kombination aus Junior und Youngster Cup. Woran das liegen mag, weiß wohl niemand so genau. Vielleicht weil man im Saarland mit grundlegender Organisation schon genug um die Ohren hat und ein echter Kümmerer für eine solche Nachwuchsklasse einfach fehlt. Aber selbst wenn es ihn gäbe, worum sollte er sich denn kümmern? Wenn so wenig Interesse da ist, dann gibt es auch nichts, was ein Kümmerer groß tun könnte. OK, vielleicht könnte man bei MX-Clubs und Veranstaltungen hausieren gehen. Einfach mal aktiv werden und die Schnuppertrainings wieder quer durch die Republik veranstalten. Mit wehenden Fahnen, jeder Menge Pressearbeit, guter Laune und Konsequenz dahinter stehen.
Sind wir doch mal ehrlich und nennen das Kind beim Namen: Das kann kein Mensch zahlen!
Die Motorräder um solche Schnupper-Veranstaltungen durchzuführen rückt die Industrie nicht raus und die Mopeds selber immer wieder von A nach B zu bringen macht auch niemand mit. Woran liegt das nur?
Die 250er Mopeds sind einfach zu teuer und der allgemeine Anspruch in den Nachwuchsklassen ist zu hoch für Neueinsteiger! Doch das ist mit den gewünscht offenen Regularien nicht einzudämmen und die geschnürten Leistungs-, Gewichts- und Sonstwas-Einschränkungen sind bei der aktuellen Technik und der Entwicklung nicht einzuhalten. In den vergangenen Jahren ist im Supermoto alles höher, weiter, schneller und somit auch teurer geworden. Bestes Beispiel dafür ist wohl die Vorstellung einer Maschine aus der Amateurklasse Anno 2001 und 2011. Wer es noch gruseliger haben möchte, der darf gerne noch weiter zurück denken.
Daran angeknüpft schauen wir uns doch mal das Image des Supermoto Sports an. Der Sport ist geil, überhaupt keine Frage. Doch wo ist der ganze Blödsinn, den unsere DM-Helden damals getrieben haben. Wo ist die Coolness neben der Rennstrecke, die Parties und all der Kram. Richtig – weitestgehend verschwunden, weg und vorbei. Und weshalb? Weil unsere Ikonen heutzutage eine ganz andere Verantwortung gegenüber ihren Sponsoren zu tragen haben und nicht mehr mit der Dampfwalze, oder wahlweise mit dem kurzgeschlossenen Radlader durchs Fahrerlager brausen können. Supermoto müsste wieder Rock 'n' Roll, oder zur Zeit vielleicht doch eher Hip-Hop sein – ein Image wie BMX oder Skaten, das würde junge Menschen sicher mehr anlocken. Doch ein Image erlangt man durch entsprechend authentische Einstellung, das kann man nicht herzaubern.
Der sogenannte Kümmerer wäre ein Ganztags-Job der Unmengen an Reisekosten und sonstiger Logistik verschlingen würde. Man müsste diesem Menschen Motorräder und Transportmöglichkeit zur Verfügung stellen. Spezielle Angebote der Industrie müssten her, die einem Neueinsteiger wieder einen Gewinn davon versprechen, wenn er sich JETZT für Supermoto entscheidet. Ja, man müsste einen groß angesetzten Werbelauf für den Supermoto Nachwuchs in Gang bringen. Keiner der innerhalb der bestehenden Gefolgschaft geschieht. Das wäre Geld zum Fenster raus geschmissen.
Gäbe es doch wieder so eine verrückte Idee wie den MZ Youngster Cup, oder den Folgeversuch des KTM Junior Cup. Aus dieser Zeit sind der aktuellen S-Klasse immerhin fünf Piloten geblieben, drei weitere tümmeln sich nach wie vor im C-Pokal. "Sind das nun viele oder wenig?" wird sich an dieser Stelle so mancher fragen. Das hängt davon ab wie positiv oder negativ man es gerne betrachten möchte. Der Großteil ist halt abgewandert, weil man sich die folgenden Klassen einfach nicht leisten konnte. Ein Indiz dafür, dass was geschehen muss! Aber genau an der Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz, da die aktuellen Nachwuchsklassen viele der heute übrig gebliebenen damals wohl überhaupt nicht angesprochen hätten.
Man überlege sich mal kurz mit welchem Hammerangebot man damals Familien dazu gezwungen hat im Supermoto einzusteigen. Ohne Reisekosten hat eine komplette Saison im MZ Youngster Cup ganze 3.000 Euro gekostet. Darin war das Motorrad, das Nenngeld und ein kleines aber feines Bekleidungspaket enthalten. Was man dabei nicht außer Acht lassen darf – es gab Preisgelder zu jedem Lauf sowie in der Endwertung von Platz 1-15. MZ schleuderte nach jeder Veranstaltung 660 Euro an die Teilnehmer raus und legte bei der Endwertung 4.650 Euro oben drauf – da bekam der Cup Sieger 1.000 Euro!
Ich persönlich bin mir ganz sicher, dass dieses Konstrukt heute wieder funktionieren würde. Man brächte nur ein entsprechendes Fahrzeug, vor dem Neulinge keine Angst haben brauchen und eine Firma die den Mumm hat eine solch halsbrecherische Aktion durchzuziehen. Wer möchte, der darf den Begriff Mumm gerne gegen Wahnsinn austauschen.
Mit solchen Mitteln an der Hand könnte der Kümmerer losziehen und auf Menschenfang gehen. Wenn es schon keine wahnsinnigen Motorradhersteller mehr gibt, dann vielleicht einen durchgeknallten Sponsor, mit dessen Hilfe man wieder verstärkt frisches Blut in die Adern des Supermoto lassen könnte. Mit der aktuellen Variante kommt der Nachschub jedenfalls nur tröpfchenweise und man muss verdammt aufpassen, dass es nicht gerinnt.
Diese Worte sollen nicht entmutigen, oder gar irgendwen angreifen. Es ist alles normal und evolutionär so wie es gerade ist. Sie sollen nur verdeutlichen, dass die Situation ohne entsprechenden Segen aus bislang unbekannter Richtung nicht zu verbessern ist. Es ist so gewachsen und gewachsenes kann nur mit hohem Aufwand operiert werden!
Beflügelt durch das außergewöhnliche Schauspiel, welches Lukas Höllbacher der deutschen Supermoto Welt in Stendal präsentierte, haben wir uns für diese Kategorie entschlossen. Racer of the Weekend soll einen Blick auf den Menschen werfen, der dem jeweiligen Rennwochenende seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat.
In Stendal war das auf alle Fälle Lukas Höllbacher. Wahrscheinlich werden wir zukünftig noch mehrere solcher Aktionen von ihm zu sehen bekommen, aber einleitend in die Saison muss der Racemodus des 16 Jahre jungen Österreichers vorgestellt werden.
Höllbacher ist amtierender S3-Europameister und wollte zu allererst mal, dass er diesen Titel auch in der DM vertreten kann. Also wurde die KTM 250 SX-F eingepackt, denn in der S3 hatte er sich eingeschrieben. Da aber auch noch eine 450er aus dem Hause KTM in der Gegend rumstand, packte Luki diese mit ein um damit in der S1 anzugasen. Beim Versuch sich am Samstagmorgen vor Ort in die S1 einzuschreiben wurde dem Österreicher mitgeteilt, dass seine Lizenz nicht für die Einschreibung in der deutschen Königsklasse geeignet sei, aber man habe da ja noch den C1-Pokal. Also zuckte Papa Höllbacher brav den Geldbeutel und meldete Lukas fix im C1-Pokal an.
In der S3 fand Lukas ausgereifte Konkurrenz und einen direkten Spielgefährten aus Österreich, nämlich Jo Stehrer. Doch Lukas platzierte seine SX-F in allen Vergleichen auf der vordersten Position. Erster im Zeittraining und zwei Siege konnte er aus der S3 mitnehmen.
Im Pokal seiner Wahl hatte er dann erneut die Pole Position, jedoch mit einem unanständig deutlichen Abstand von 2,8 Sekunden zum Zweitplatzierten. Dass er die Konkurrenz bei diesem Geschwindigkeitsüberschuss in den beiden Läufen regelrecht pulverisierte, bedarf keiner gesonderten Erwähnung.
Nun hatte Luki die Tabellenführung in der S3 und im C1 Pokal, was ihm eigentlich hätte ausreichen sollen. Doch der 16 Jährige hatte noch lange nicht genug und nutzte seine Möglichkeit als C1-Top-Fahrer einen Gaststart in der S1 zu vollziehen.
Also spulte er nach den vielen, vielen Runden die er bis dato schon auf der Bahn von Stendal gezogen hatte, nun auch noch die S1 Läufe runter. Im ersten Rennen klappte das noch nicht so ganz gut und er rempelte am Ende sogar seinen Mentor Hannes Maier von der Strecke – er wurde 13ter. Doch das zweite Rennen lief wie am Schnürchen. Er war nach der ersten Runde Fünfter, fetzte sich zwischendurch mal ein Weilchen mit Rudolf Bauer und war dann wieder auf seiner ursprünglichen Position. Ein fünfter Platz in der S1, in einem Alter von 16 Jahren und das auch noch nach einem solch anstrengenden Wochenendprogramm – das ist riesig und gehört einfach erwähnt.